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Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin
Im Westen bestehen viele seltsame Vorstellungen über die
chinesische Medizin. Oft wird sie schlichtweg als Hokuspokus bezeichnet, das Produkt
primitiven oder magischen Denkens. Wird ein Patient durch Kräuter- oder
Akupunkturbehandlung geheilt, so gibt es aus dieser Sicht nur zwei mögliche Erklärungen:
Entweder war die Krankheit psychosomatischen Ursprungs (Krankheiten, für deren Entstehung
und Verlauf eine entscheidende Bedeutung psych. Faktoren angenommen wird) oder die Heilung
ein Zufall - das glückliche Ergebnis eines willkürlichen Nadelstechens, das der
Arzt selbst nicht versteht. Mit dieser Vorstellung geht die Annahme einher, daß die
derzeitige westliche Wissenschaft und Medizin die Wahrheit für sich gepachtet hat -
alles andere wird als Aberglaube abgetan.
Die chinesische Medizin zieht verschiedene wichtige
Aspekte des menschlichen Körpers in Betracht, die für die westliche Medizin ohne
Bedeutung sind. Andererseits beobachtet und beschreibt die westliche Medizin Aspekte des
menschlichen Körpers, die für die chinesische Medizin unbedeutend sind.
Was die beiden Systeme unterscheidet, ist jedoch mehr als
eine unterschiedliche Terminologie. Die gewohnheitsmäßigen Gedankenverläufe, die die
klinische Einsicht und das kritische Urteil des Arztes leiten, unterscheiden sich ganz
erheblich.
Der westliche Arzt fängt mit einem Symptom an und sucht
dann nach dem zugrunde liegenden Mechanismus - einer präzisen Ursache für eine
spezielle Krankheit.
Der in der traditionellen Chinesischen Medizin versierte
Arzt hingegen richtet seine Aufmerksamkeit auf das gesamte physiologische und
psychologische Individuum. Alle relevanten Informationen, einschließlich der Symptome und
generellen Charakteristiken des Patienten, werden gesammelt und zusammengewoben, bis ein
"Muster der Disharmonie" erkennbar wird. Dieses Disharmoniemuster beschreibt
eine Situation des "Ungleichgewichts" im Körper des Patienten.
Die östliche Diagnostik führt nicht hin zu einer
speziellen, isolierten Krankheit oder zu präzisen Ursachen, sondern gibt eine
therapeutisch brauchbare Beschreibung der ganzen Person.
Ein Symptom wird daher nicht auf seine Ursache
zurückverfolgt, sondern als Teil einer Gesamtheit betrachtet.
Die chinesische Medizin funktioniert am besten, wenn sie
im Kontext ihrer eigenen Logik angewendet wird.
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